Faktencheck: Schutzimpfung gegen COVID-19

Faktencheck: Schutzimpfung gegen COVID-19

Worum geht’s?

Die COVID-19-Pandemie ist immer noch im vollen Gange und die Folgen sind weltweit verheerend. Darum war und ist die Entwicklung von Impfstoffen von so zentraler Bedeutung. Ohne Impfstoffe würde die Pandemiebekämpfung absehbar noch Jahre dauern. Doch auch mit dem Impfstart in Deutschland im Dezember 2020, ist die Pandemie noch nicht vorbei. Es wird eine mehrere Monate andauernde Übergangszeit geben, in denen wir weiterhin mit den bekannten Instrumenten das laufende Krisenmanagement konsequent fortsetzen müssen. Um eine Herdenimmunität zu bekommen, müssen mindestens 60% der Bevölkerung geimpft sein. Bis wir so viele Impfstoffdosen verimpft haben (zwei Impfungen sind nötig), wird es wohl noch bis weit ins Jahr 2021 dauern. (Natürlich auch abhängig davon, wie viele weitere Impfstoffe eine Zulassung erhalten.)

Wieso ging die Zulassung der Covid-19-Impfstoffe so schnell, wenn die Entwicklung eines Impfstoffes normalerweise mehrere Jahre dauert?

Um die Pandemie schnellstmöglich in den Griff zu bekommen, war es nötig, die normalen und häufig sehr langwierigen Prozesse zu überdenken. Diese Erkenntnis hat alle an der Impfstoffentwicklung beteiligten Expert*innen bewogen, die Zusammenarbeit enger und die Prozesse effizienter zu gestalten, ohne Abstriche bei der Sorgfalt zu machen. Dies hat auch zu deutlichen Optimierungen der Verfahrensabläufe und einem Zeitgewinn bei der Entwicklung geführt. Unter anderem konnte die Zeit durch wissenschaftliche Beratung, das Rolling Review, durch die Kombination klinischer Prüfungsphasen und durch schon vorhandenes Forschungswissen zu Coronaviren eingespart werden. Eine Rolle spielt auch das enorme finanzielle Engagement der internationalen Gemeinschaft und vieler einzelner Staaten.

Wer wird nach Zulassung der Impfstoffe in Deutschland zuerst geimpft werden und warum?

Aufgrund begrenzter Impfstoffverfügbarkeit gerade zu Beginn der Impfkampagne kann die Impfung zunächst nur bestimmten Personengruppen angeboten werden, die ein besonders hohes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer COVID-19-Erkrankung haben, die beruflich entweder selbst besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu vulnerablen Personengruppen haben. Dies sind nach aktuellem Kenntnisstand folgende Personengruppen:

  • Bewohner*innen von Senioren- und Altenpflegeheimen
  • Personen im Alter von ≥ 80 Jahren
  • Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen (z.B. in Notaufnahmen, in der medizinischen Betreuung von COVID-19-Patient*innen)
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen (z.B. in der Transplantationsmedizin)
  • Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege
  • andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den Bewohner*innen.

Für die Umsetzung der Empfehlungen des Bundes sind die Bundesländer bzw. die von ihnen beauftragten Stellen verantwortlich. Da der bisher zugelassene Impfstoff von Biontech/Pfizer bei -70 Grad gelagert werden muss, können Hausärzte noch nicht flächendeckend impfen. Nach Zulassung anderer Impfstoffe wird dies aber wohl möglich werden. In Thüringen übernimmt die Organisation der Impfungen die Kassenärztliche Vereinigung. Die Impfstoffe werden zur Zeit in Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen verimpft, ab Mitte Januar sollen auch die Thüringer Impfzentren mit Impfungen starten.

Die Terminvergabe ist online möglich unter www.impfen-thueringen.de oder telefonisch unter 03643/4950490.

Werden wir in Deutschland genug Impfstoffdosen haben?

Ja, es stehen genügend Impfstoffdosen für die Bevölkerung in Deutschland zur Verfügung – etwa 300 Mio. Impfdosen, sofern allen Impfstoffkandidaten eine Zulassung erteilt wird. Bei fast allen Impfstoffkandidaten sind zwei Impfstoffdosen nötig, um einen Schutz aufzubauen. Rund 250 Mio. Impfdosen stammen aus der gemeinsamen Beschaffung in der Europäischen Union. Zudem erhält die Bundesrepublik, aus den über die EU-Kommission abgeschlossenen Vorverträgen, mindestens Impfdosenmengen in Höhe des Anteils der deutschen Bevölkerung an der europäischen Gesamtbevölkerung (das entspricht 18,6 %). Daneben hat Deutschland die Aussicht auf gut 50 Mio. Impfdosen über Vereinbarungen mit drei nationalen Impfstoffherstellern. Im Gegenzug hatte die Bundesregierung BioNtech, Curevac und IDT Biologika insgesamt 750 Mio. Euro an zusätzlicher Forschungsförderung zur Verfügung gestellt.

Wie lange hält die Immunität gegen SARS-CoV-2?

Ob und wie lange eine durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion eine erneute Infektion mit SARS-CoV-2 verhindert, untersuchen Wissenschaftler*innen weltweit. Dafür werden auch Erfahrungen während der SARS- und MERS-Epidemien herangezogen. Gleiches gilt für den Schutz der Impfung. Wie lange die Immunität nach gegebener Impfung anhält, kann noch nicht abschließend bewertet werden. Erste wissenschaftliche Begleitungen der Anwendung zeigen eine Immunität durch den Impfstoff für mindestens drei Monate über alle Altersgruppen.

Muss ich mich impfen lassen, wenn ich schon mal Covid-19 hatte?

Laut STIKO müssen diejenigen, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachweislich durchgemacht haben (positiver PCR-Test), zunächst nicht geimpft werden. Ob, und wenn ja, wann Personen mit nachgewiesenermaßen durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion ggf. später eine Impfung erhalten, ist noch nicht entschieden.

Kann ich, wenn ich geimpft bin, selber krank werden? Schützt die Impfung vor Übertragung der Krankheit?

Erste Daten zeigen, dass durch die Impfung ein Ausbruch der Erkrankung im besten Fall verhindert werden kann. Es ist auch möglich, dass durch die Impfung die Schwere des Krankheitsverlaufs abgeschwächt wird. Die bisher vorliegenden Daten erlauben allerdings bislang nicht die Schlussfolgerung, dass die COVID-19-Impfung die Erregerübertragung verhindert. Bis es hier neue Erkenntnisse gibt, müssen deshalb auch nach Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln) weiterhin eingehalten werden.

Um welche Impfstofftechnologien handelt es sich bei den bisher entwickelten Corona-Impfstoffen und wie unterscheiden diese sich von anderen Impfstoffen?

Derzeit arbeiten Forschende an mehr als 150 möglichen Impfstoff-Kandidaten. Alle Impfstoffkandidaten basieren auf dem Grundprinzip, unserem Immunsystem Teile (Antigene) des SARS-CoV-2 zu präsentieren, sodass eine Immunität gegenüber dem Erreger aufgebaut werden kann. Die unterschiedlichen Kandidaten nutzen dabei sehr verschiedene Antigeneteile und Ansätze.

Dabei gibt es drei Hauptentwicklungslinien:

  • Lebendimpfstoffe mit Vektorviren
  • Totimpfstoffe mit Virusproteinen  
  • mRNA-Impfstoffe

Totimpfstoffe enthalten entweder ausgewählte Virusproteine oder das ganze Material inaktivierter SARS-CoV-2-Viren. Sie beruhen im Wesentlichen auf lang bewährter Technologie: sehr viele zugelassene Impfstoffe sind so zusammengesetzt, so bspw. Grippe- oder Hepatitis-B-Impfstoffe. Neu ist die Impfstofftechnologie auf Basis von mRNA. Die zwei bekannten Impfstoffe von BioNTech/ Pfizer und Moderna beruhen auf diesem Verfahren. Die mRNA-Technik wurde bisher bei anderen pharmakologischen Verfahren, zum Beispiel in der Krebstherapie, angewandt. RNA-Impfstoffe enthalten den Bauplan der Virusoberfläche in Form von Boten-RNA (messenger RNA, mRNA). Diese mRNA wird von den Körperzellen als Bauplan genutzt, um das spezifische Antigen in wenigen Körperzellen selbst zu produzieren. Wenn Zellen dieses Antigen den Immunzellen präsentieren, löst das dann die gewünschte spezifische Immunantwort aus. Bei einem späteren Kontakt der geimpften Person mit SARS-CoV-2 erkennt das Immunsystem das Antigen wieder und kann das Virus bzw. die Infektionskrankheit gezielt bekämpfen. Vorteile der mRNA-Impfstoffe sind unter anderem die einfache Struktur der RNA und die Möglichkeit, in wenigen Wochen viele Millionen Impfdosen herzustellen.

Verändern die Impfstoffe auf RNA-Basis die DNA des Menschen?

Nein, es besteht keine Gefahr einer Integration von mRNA in das humane Genom. Beim Menschen befindet sich das Genom in Form von DNA im Zellkern. Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass die von den Körperzellen nach der Impfung aufgenommen mRNA in DNA umgeschrieben wird. Der eingebrachte mRNA-Impfstoff verbleibt nicht dauerhaft, sondern nur ungefähr drei Tage im Körper und wird dann wieder abgebaut.