Koloniales Erbe aufarbeiten – Perspektivwechsel in Kultur und Bildung in Thüringen

Am letzten Freitag fand die Sommertour von Madeleine Henfling, kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, zum kolonialem Erbe in Thüringen seinen Höhepunkt in der Abschlussveranstaltung im Zughafen Erfurt. Gemeinsame mit dem Eine Welt Netzwerk Thüringen e.V. wurden die Erlebnisse der Tour geschildert und Forderungen an die Landespolitik formuliert.

„Wenn man Rassismus verstehen will, müssen wir uns mit dem kolonialen Erbe Deutschlands und Europas auseinandersetzen, Geschichte aufarbeiten und auf Spurensuche gehen nach Menschen, die Opfer der Kolonialzeit geworden sind – auch hier in Thüringen,“ begründet die Abgeordnete die Wahl des Themas ihrer Sommertour. „Rassismus ist nicht erst ein kürzlich wieder aufflammendes Thema, sondern seit langer Zeit auch in Thüringen präsent. Die Enquete-Kommission Rassismus arbeitete Empfehlungen aus, die unter anderem die Aufarbeitung des Kolonialen Erbes in Thüringen empfohlen haben,“ erzählt Henfling.

Corona-bedingt fand der Großteil der Termine im Freien statt. In Stadtrundgängen in Erfurt und Jena wurden gemeinsam mit Decolonize Gruppen Spuren des Kolonialismus aufgezeigt. In Eisenberg wurde eine Lesung zum Thema Alltagsrassismus veranstaltet. Ethnologin Dr. Juliane Stückrad führte Interessierte durch Eisenach – dort gab es bis 1927 sogenannte koloniale Völkerschauen.

„Viele Thüringer*Innen wissen nicht, dass Eisenach einer der Schauplätze von kolonialen Völkerschauen in Deutschland war. Deswegen ist uns die Aufarbeitung und die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe in Thüringen so wichtig. Wir müssen dafür sorgen, dass es eine andere Erinnerungskultur gibt,“ mahnt Henfling.

Auch mit der Universität Jena und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha traf sich die Kulturpolitikerin, um über den Umgang mit Humain Remains zu sprechen. „Unsere politische Zielsetzung ist es, dass insbesondere dazu die Provenienzforschung, also die Geschichte der Herkunft von Kunst- und Kulturgütern, finanziell gestärkt wird. Wir müssen den Umgang mit bestimmten Objekten überdenken und unterschiedliche Perspektiven auf die Kolonialzeit darstellen. Zudem wollen wir uns als Grüne dafür stark machen, dass das Thema Kolonialismus in der Bildung eine andere Rolle einnimmt und diverser betrachtet wird,“ fordert Henfling abschließend.